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EthikZuständeZum Zweck einer besseren Analyse des "Spielverlaufes" und zur Anhebung der Ursächlichkeit in Richtung eines Ziels hat Hubbard eine Palette von Zustandsformeln entwickelt. Sie werden als "Conditions" oder "Zustände" bezeichnet. (Vergl. auch "zehnte Dynamik") Was ist ein Zustand?Der Begriff Zustand orientiert sich offensichtlich an einer Vorstellung darüber, wie etwas sein sollte. Ich besichtige beispielsweise eine Wohnung und stelle deren Zustand anhand meiner Vorstellung von gut und schlecht fest. Der Zustand ist gut, wenn ich nichts daran auszusetzen habe. Ich kann feststellen, daß sie relativ gut ist, womit ich meine, daß ich etwas Arbeit investieren muß um sie in den Zustand zu bringen, in dem sie meinen Anforderungen entspricht. Daß diese Taxierung durchaus subjektiv ist, tut zunächst einmal nichts zur Sache. Will ich eine objektive Meinung einholen, beispielsweise beim Kauf eines Hauses, ziehe ich zur Einschätzung des Zustandes einen Sachverständigen zu Rate. Seine Aussage begründet sich dann auf Beurteilungskriterien, die eine gewisse Allgemeingültigkeit haben. Man kann feststellen, daß sich offensichtlich alles in einem Zustand befindet, es sei denn, es ist nicht existent, das heißt, es ist nicht Bestandteil des Spiels. Menschen geben Auskunft über ihr Befinden, wenn sie danach gefragt werden. Sie bezeichnen es als "gut", "es geht", "schlecht" und so weiter. Diese Zustände messen den momentanen Erfolg in einem Spiel oder den momentanen Erfolg eines einzelnen Spielzuges. Sie gibt Aufschluß über die Einstellung einer Person bezogen auf bestimmte Bereiche des Lebens. Man kann dieser Skala Attribute zuweisen und sagen, sie zeigt die Abstufungen zwischen gut und schlecht, oder zwischen einem Optimum und einer gewissen Untragbarkeit. Nehmen wir den vielleicht banalen Vergleich mit einem Fließband: Über dieses Fließband laufen Brote in Richtung Verpackung und Versand. Nun wird ab und zu eine Bananenschale zwischen den Broten gefunden. Was würde man tun? Eine einzelne Bananenschale würde man wahrscheinlich nur entfernen. Wenn sich dieser Vorfall jedoch wiederholt, würde man höchstwahrscheinlich dieser Sache nachgehen um die Ursache dafür zu finden. Man könnte Ethik (als Aktion) somit als eine Maßnahme zum Aussortieren ungewollter Bestandteile bezeichnen. Es ist für jeden ersichtlich, daß ein Mitarbeiter, der andauernd seine Bananenschalen auf das Fließband schmeißt, eine Belastung für die Firma wäre. Die Konsequenzen wären abzusehen. Der Verbraucher erfährt davon. Die Behörden schreiten ein; keiner würde mehr das Brot kaufen. Zur Ethik dieser Firma gehört es, diese internen Störungen zu beseitigen. Versagt sie darin, schreitet in irgendeiner Form die Justiz ein. Nicht-ExistenzJedes Spiel beginnt in einem Zustand von "Nicht Existenz". Warum? Derjenige, der in ein neues Spiel oder in einen neuen Spielbereich einsteigt, ist bei den schon agierenden Spielern nicht bekannt. Keiner kennt den Neuling, keiner weiß, was er anzubieten hat.
Was liegt diesem Zustand zugrunde? Es ist die Entscheidung zu "Sein". Bevor ich in ein Spiel einsteige, muß ich mich entscheiden zu sein. Ich nehme einen Gesichtspunkt an und stelle mich den Mitspielern vor: "hier bin ich - was soll ich tun?" Ich möchte in diesem Spiel jemand sein - eine Position beziehen. Von diesem Zustand aus arbeite ich mich hoch. Umgekehrt - wenn ich in einem Spiel "oben" bin und meine Position vernachlässige, kann es sein, daßeinem Ereignis von dem die daß ich wieder zu einem "Niemand" werde und bei meinen Mitspielern in Vergessenheit gerate. In diesem Falle muß ich das gleiche tun wie ein "Neuer". Ich muß mich wieder bekannt machen und herausfinden, was die anderen von mir brauchen. Was ist die "Realität" der neuen Umgebung? Was kann ich beitragen, um mit den anderen "an einem Strick zu ziehen", sprich das Produkt dieser Aktivität zu erreichen? Zur Anwendungsformel für Nicht Existenz gehört es [36]:
GefahrNach einer gewissen Zeit der Einarbeitung und "Produktion" gerate ich automatisch in den nächst höheren Zustand "Gefahr". Warum? Wenn ich mich mit dem bis jetzt Erreichten begnüge, lande ich früher oder später wieder in "Nicht-Existenz". Ich habe mir eine Position im Spiel angeeignet. Gehen wir davon aus, daß diese Position noch nicht besetzt war. Das Spiel lief schon einige Zeit und die anderen Spieler waren gewohnt, die Position, die jetzt besetzt ist, mit auszufüllen. Der neue Spieler muß sich vor seinen Mitspielern behaupten, damit er nicht übergangen wird. Er muß den anderen zeigen, daß sie sich um diesen Job nicht mehr zu kümmern brauchen, daß er die Sache im Griff hat. Wenn ich nichts ändere, wenn ich die gewonnene Erfahrung nicht nutze, bin ich sehr schnell wieder "nicht existent". Was macht man im Zustand von Gefahr? Man ergründet und beseitigt die Gefahrensituation, man hebt sein eigenes Ethikniveau an. Man schafft sich selbst Richtlinien, um seine Position zu festigen. NotlageWenn es im Zustand "Nicht Existenz" und "Gefahr" darum ging, die eigene Position zu etablieren und zu festigen, sieht man, daß es jetzt darum geht die gewünschten Produkte in in Qualität und Quantität zu produzieren. In einer Notlage betreibt man Werbung, ändert seine Operationsbasis, um nicht in dieser Notlage zu bleiben. Man spart und liefert seine Produkte. Wie könnte man als Individuum Werbung betreiben? Man könnte sich schöner anziehen, mal wieder zum Friseur gehen. Man kann seine eigenen Dienstleistungen verstärkt anbieten... das was man gut kann, beziehungsweise das, was von einem verlangt wird, sei es in einer Zweierbeziehung, in einer Freundschaft oder in der Firma. Normale OperationBefindet man sich dann auf einer normalen Operationsbasis, so verändert man nichts. Wenn sich eine Statistik verbessert oder verschlechtert, findet man den Grund dafür heraus. Man verstärkt die Aktivitäten, die sie verbessert und vermeidet diejenigen, die sie verschlechtert. WohlstandBei Wohlstand wird gespart. Man vermeidet Dinge anzuschaffen, die finanzielle Verpflichtungen für die Zukunft mit sich bringen. Man bezahlt all seine Schulden und investiert den Rest in Mitteln zur Erhöhung der Produktion. Man erforscht die Gründe, die zum Wohlstand geführt haben und verstärkt diese. Macht (Power)Das erste Gesetz auf "Power" (Power klingt wohl besser als das deutsche Wort Macht) ist es, seine Verbindungs- bzw. Kommunikationslinien nur ja nicht aufzugeben, denn diese haben einen schließlich in diese Position gebracht. Man sollte sämtliche Kommunikationslinien, sämtliche Aktivitäten seines Postens, bzw. der Position innerhalb des Spiels niederschreiben, um sie demjenigen zur Verfügung zu stellen, der die Position übernehmen könnte. Auf Power sollte man alles tun, um seinen Posten einem anderen, einem Nachfolger zugänglich machen zu können. MachtwechselHubbard sagt, es gibt nur zwei Umstände, die den Ersatz einer Person rechtfertigen: Den sehr Erfolgreichen oder den sehr Schlechten. Ein guter Vergleich sind die Trainerwechsel im Fußball. Ist der Trainer schlecht, wird er gefeuert. Nimmt man beispielsweise Franz Beckenbauer als ehemaligen Team-Coach der deutschen Fußballnationalmannschaft, so kann man sehen, daß Beckenbauer, nach dem Erreichen des Weltmeistertitels, seinen "Posten" in einem Zustand von "Power" verlassen hat. Zustände unterhalb von "Nicht-Existenz"Unterhalb von "Nicht-Existenz" gerate ich in Zustände, in denen ich mir selbst und anderen gegenüber graduell zur Last falle. Wieso? Ich hatte mich ursprünglich entschieden "zu sein", etwas in diesem Spiel zu tun und auf ein bestimmtes Ergebnis hinzuarbeiten. Fremd- und Gegenabsichten können als Absichten definiert werden, die der Absicht des Spiels fremd sind oder ihr entgegen steht. Es sind Einflüsse, mit denen nicht übereingestimmt wurde. Die Graphik auf Seite 292 (hier nicht enthalten) soll folgendes verdeutlichen: Fremd- und Gegenabsichten sind im gesamten Spektrum der Zustände zugegen. Während im linken Bereich das Augenmerk mehr auf den Absichten liegt, kommen wir rechts in den Bereich wo das Augenmerk mehr und mehr auf Fremd- und Gegenabsichten liegt. Ebenfalls nimmt die Verantwortung für das entsprechende Spiel nach links zu und nach rechts ab. Nach links bewege ich mich in das Spiel hinein, nach rechts bewege ich mich hinaus. Es hat mit dem Grad an Übereinstimmung zu tun. Lasse ich eine Fremd- oder Gegensbsicht zu? In welchem Maße bin ich bereit Verantwortung für die Absichten zu übernehmen? In einer Brotfabrik wurde höchstwahrscheinlich nicht damit übereingestimmt, das Fließband, auf dem das Brot abgepackt wird, ebenfalls zur Müllentsorgung zu verwenden. Der Mitarbeiter, der eine Bananenschale auf dem Fließband sieht und sie nicht entfernt, wäre in Übereinstimmung mit einer solchen Fremdabsicht. Es ist klar, daß seine Nachlässigkeit der Firma und letztlich auch ihm selbst schadet. Der wesentliche Faktor hierbei ist die Übereinstimmung. Es ist eine Geisteshaltung. Der Impuls in einem Spiel zu unterliegen wird stärker als der zu gewinnen. Es hat nichts damit zu tun, bei der Ausübung seiner Ziele "über Leichen zu gehen", denn Ethik beinhaltet "das größte Wohl der größten Anzahl der Dynamiken". Stellen Sie sich vor ein Boxer würde in den Ring steigen und seinem Gegner mehr zutrauen zu gewinnen als sich selbst. David hätte gegen Goliath nie gewinnen können. Die praktikable Lösung wäre hier, herauszufinden, was meinem Ziel gegenüber freundlich und feindlich ist. Was unterstützt mich in meinem Ziel? Was versucht mich davon abzuhalten? Wenn ich oft genug den Gegenabsichten mehr Respekt zolle als meinen eigenen Absichten und Zielen, werde ich kurze Zeit später dieses Ziel in Frage stellen. Es wird ein Zweifel entstehen: Ist das überhaupt richtig oder wichtig, was ich erreichen will? Es heißt nicht, daß man an einem Ziel mit aller Gewalt festhalten "muß", denn es kann durchaus sein, daß Entscheidungen oder Ziele revidiert werden müssen, weil sich die Ausgangssituation geändert hat. Dann sollte man jedoch eine Entscheidung treffen und nicht mit diesem "Vielleicht", mit dieser Unentschlossenheit umherlaufen, denn diese wird über kurz oder lang in einer feindlichen Haltung den Zielen gegenüber resultieren. In einer Zweierbeziehung ist dies recht leicht zu beobachten: Der Schritt vom Zweifel über diese Partnerschaft bis zu einem Seitensprung ist nicht sehr groß. Für viele Leute ist es zwar Ansichtssache aber es ist eine feindliche Handlung gegen eine Zweierbeziehung. Nehmen wir an, jemand möchte unbedingt einmal in seinem Leben eine Weltreise machen. Es spart und spart. Irgendwann trifft er diese Entscheidung. Er könnte mit Rückschlägen konfrontiert werden, unerwartete Ausgaben. Je mehr er mit Gegenabsichten in Bezug auf seine Reise in Übereinstimmung geht, desto mehr gerät er letztlich in einen Zweifel bis zu dem Punkt, wo er sich sagt: "Das Ziel kann warten, jetzt kaufe ich mir erst einmal ein Auto". Es geht so weit, bis er sich schlußendlich gegen das ursprüngliche Ziel richtet. Hier treffen wir dann jemanden, der, wie es so schön heißt, "seine eigenen Ziele verraten hat". Genügend Verstöße gegen ein Ziel enden letztlich in einem Verrat der Ziele. Man muß schließlich diese Verstöße rechtfertigen, und man rechtfertigt sie meist dadurch, daß die Ziele abgewertet werden. Vielleicht muß er jetzt sogar anderen ihre Reise ausreden, weil er es selbst nicht erreicht hat. Es passiert aber noch etwas ganz Entscheidendes in geistiger Richtung. Vorher, als er die Entscheidung für das entsprechende Spiel getroffen hatte, sagte er "ich bin". Er hat sich in Bezug auf das Ziel selbst aufgebaut, er hat einen Seinszustand hingestellt. Wenn ihn jemand darauf angesprochen hat, konnte er mit leuchtenden Augen und glühenden Worten über seine Pläne berichten. Nun hat er sein Ziel verraten und somit gesagt: "ich bin nicht". Er hat diesen Seinszustand negiert - von sein in nicht sein. Nun wird es ganz traurig. Solange er noch einen Seinszustand hatte, konnte er das Ziel mehr oder weniger direkt anschauen. Er konnte sagen "hier bin ich, von hier schaue ich". Nun hat er diesen Seinszustand nicht mehr. Nun schaut er auf dieses Ziel durch die Augen anderer. Er beginnt "Meinungen" über dieses Ziel zu haben. Meinungen ersetzen die persönliche Beobachtung, die ohne ein "Sein" ja nun nicht mehr möglich ist. Seine Freunde sagen auch, daß es Quatsch ist, solch ein Ziel zu haben. Man kann es sowieso nicht erreichen. Alle haben mir davon abgeraten. Ein anderes Beispiel wäre die Zweierbeziehung. Man sieht sich, lernt sich kennen. Man tauscht sich aus. Durch diesen Austausch von Kommunikation überwindet man zwangsläufig die Hürde von "Nicht-Existenz" - denn man kannte sich ja vorher nicht - in "Existenz". Man findet eine ungeheure Menge an Gemeinsamkeiten und möchte am liebsten die ganze Zeit beisammen sein. Man entscheidet sich zu SEIN. "Ich bin für Dich da". "Ich bin Dein Ehemann", oder "ich bin Deine Ehefrau" oder schlicht "Dein Partner". Die Ehe ist so gut, wie die Beiden mit den Fremd- oder Gegenabsichten in Bezug auf ihre Ehe oder Beziehung fertig werden. Wie könnten diese Gegenabsichten hier aussehen? Der Mann muß lange arbeiten. Er könnte für eine gewisse Zeit beruflich sehr angespannt sein. Die Schwiegermutter kommt jeden Tag zu Besuch und spricht negativ über einen der Partner. Die Beispiele könnten endlos fortgesetzt werden. Es passiert nichts, solange nicht einer der Partner mit diesen Fremd- oder Gegenabsichten übereinstimmt. Wenn doch, kann es recht schnell die Spirale abwärts gehen. Er könnte sich fragen, ob das wirklich die richtige Frau für ihn war. Sie könnte Zweifel daran haben. "Hätte sie nicht lieber doch den anderen Verehrer heiraten sollen?" Bald macht es nichts mehr. Man betrügt den Partner, und schleppt diesen Vertrauensbruch mit sich herum. Man schweigt Dinge tot. Es kann zu dem Punkt kommen, wo man den Partner kaum mehr sieht und nur noch das Bild von ihm, welches hauptsächlich aus negativen Gedanken besteht, mit sich herumträgt (ungefähr so wie in dieser Skizze). Man kann ein Spiel auf drei Arten verlassen: Entweder man macht seine Sache so gut, daß der Aufgabenbereich ausgedehnt werden muß, weil sonst das Spiel langweilig wird. Man ergreift einen Beruf. Nach einiger Zeit weiß man alles darüber. Jeder Handgriff ist bekannt. Es gibt kaum etwas, das man nicht bewältigen kann. Man spricht bei diesem Zustand von "Power" oder im Deutschen von "Macht". Macht in diesem Sinne besagt ganz einfach, daß man diesen Einflußbereich vollkommen beherrscht. Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, sich größeren Herausforderungen zu stellen. Sollte dies der Fall sein, fängt man in dem neuen Bereich wieder bei "Nicht Existenz" an und arbeitet sich hinauf. Auf der anderen Seite könnte es der Fall sein, daß man unten aus einem Spiel herausgeht. Man könnte durch ständige Kompromisse mit seinen Zielen in einen Abwärtstrend rutschen. Oder man tut ständig etwas anderes, als von einem erwartet wird. Die Arbeit wird zur Last. Man geht immer unwilliger zur Arbeit und endet letztlich in der Meinung, daß man einen "Scheiß Beruf" hat. Man wird gefeuert und macht andere dafür verantwortlich. Der dritte Bereich ist die Entscheidung, die ich auf dem Zustand von "Zweifel" treffe. Es ist in Ordnung bei Power oder bei Zweifel das Spiel zu verlassen. In beiden Fällen findet ein ordentlicher Abschluß statt. Man fällt diese Entscheidung. Unten wird die Entscheidung für einen gefällt. Wie kann man diesen Trend umkehren? Zunächst muß man herausfinden, welcher dieser Zustände auf einen zutrifft. Es erfordert manchmal eine sehr große Selbstdisziplin. Ein Partner, der sich in diesen Dingen auskennt, wäre sehr hilfreich. Fangen wir ganz unten an: VerwirrungDie Formel für Verwirrung ist: "Finde heraus wo Du bist" [37]. Wo bin ich überhaupt in diesem Spiel? Wie läßt sich das verstehen? Hubbard gibt hierfür keine weiteren Erklärungen. Man muß sich recht tief in die Materie einarbeiten um zu verstehen, was damit gemeint ist. Wenn man das ursprüngliche Ziel vor Augen hat, was irgendwann verraten wurde und zu dem man jetzt nur noch negative Beziehung hat, wird es deutlicher. Was beinhaltet dieses "Finde heraus wo Du bist?". Was gibt es denn für Orte an denen ich sein könnte - oder wo in Bezug auf die Zeit? Es beinhaltet den momentanen Standpunkt in Raum oder Zeit. Von wo aus schaue ich jetzt auf das Ziel? Bei einigermaßen normalen Leuten gibt es eine Übereinstimmung in Bezug auf Zeit und Raum. Sie sind sich, wenn sie miteinander kommunizieren, darüber einig, daß sie in der gleichen Zeit, sprich in der Gegenwart sind und sich auch innerhalb eines gemeinsamen Raumes befinden. Ob dieser Raum mit Hilfe von Kommunikationsmedien, beispielsweise Telefon, überbrückt wird ist zweitrangig. Die Kommunikationspartner sind direkt miteinander verbunden. Das krasseste Beispiel für Verwirrung wären wohl die Insassen eine psychiatrischen Klinik. Sie haben ihre Identität mehr oder weniger aufgegeben. Sie sind jemand anderes. Sie scheinen sich geistig nicht mit uns in der gleichen Zeit zu bewegen. Der eine ist Napoleon, der andere ist Jesus. Sie haben sich irgendwann, auf der darüberliegenden Stufe von Verrat, aus dem "Sein" herausgeschossen. Sie haben die Erfahrung gemacht, daß es gefährlich ist von dort aus zu schauen, wo sie wirklich sind. Sie haben die Entscheidung getroffen "nicht da" zu sein. Da sie aber trotzdem mit dem Rest der Menschheit konfrontiert sind, mußten sie sich eine andere Identität zulegen, von der sie annehmen, daß sie "sicher" ist, oder daß sie ihnen Recht gibt. "Blick-" oder "Gesichtspunkt" ist definiert als "der Punkt des Bewußtseins (Anmerkung: in Raum und Zeit), von dem aus wahrgenommen werden kann". Hubbard bezeichnet einen "entfernten Gesichtspunkt" als einen Gesichtspunkt, den jemand einnimmt, weil er Angst hat, von dort zu schauen wo er wirklich ist [38], wie in der griechischen Sage, wo die Hydra nur über einen Spiegel angeschaut werden konnte. Wir sollten uns in diesem Zusammenhang ruhig die Frage stellen, durch welche Augen wir eigentlich auf diese Welt schauen. Diese Augen können eine Philosophie sein, wie beispielsweise Scientology für Fanatiker dieser Lehre. Es können Medien, Autoritäten, Religionen und Weltbilder sein. Das Resultat ist ein pauschales Urteil über etwas, entstanden aus dem vorgekauten Denken eines anderen. Der entscheidende Punkt hierbei ist: Basiert die individuelle Meinung auf eigener Beobachtung oder basiert sie auf der Meinung eines anderen. Zu einem welchen Grad lasse ich einen anderen für mich denken? Wir identifizieren hier die Quelle oder Ursache von "Kontrolle", denn es ist wohl klar, daß ein Mensch in dem Maße kontrolliert werden kann, wie sein Weltbild von den Meinungen anderer abhängt. Was wäre ein Reiz- Reaktionsmechanismus? Ist es nicht eine negative Erfahrung die mir sagt, "ich muß beim nächsten Mal vorsichtiger sein"? Raum und Zeit, in der ich diese Erfahrung gemacht habe, werden abgespeichert, um bei der nächsten, ähnlichen Situation an diese Gefahr zu erinnern. Je nach Heftigkeit dieser Erfahrung kann dieser Reiz- Reaktionsmechanismus mehr oder weniger ausgeprägt sein. Eine vollkommene Bewußtlosigkeit kann natürlich schwerwiegender sein, als wenn man sich mal den Kopf stößt oder eine Grippe hat. Aber selbst in dieser Abstufung von gemindertem Bewußtsein bis Bewußtlosigkeit, zieht sich die Person vom Ort des Geschehens zurück, sonst gäbe es keinen Grund zu einem verminderten Bewußtsein. Gehen wir zurück zur Anwendung der Formel für Verwirrung [39]. Was versuchen wir hier zu erreichen? Was wäre eine Verwirrung? Verwirrung wäre "willkürliche Bewegung" ohne einen stabilen Bezugspunkt. Alles beeinflußt alles. Alles um einen herum scheint in Bewegung zu sein. Man fragt sich unwillkürlich "wo bin ich hier überhaupt?", ohne zu realisieren, daß dies die entscheidende Frage ist. Hubbard sagt dazu "finde heraus wo Du bist". Die Verwirrung beginnt nachzulassen, wenn man sich wieder selbst als stabilen Bezugspunkt etabliert. Wie könnte man "herausfinden" wo man ist? Nun, man könnte sich die Frage stellen, durch welche "Augen", oder "Meinungen" schaue ich auf das Ziel? Schaue ich tatsächlich selbst auf das Ziel oder durch Meinungen, die ich übernommen habe? In dem Moment, wo ich durch "Meinungen" auf etwas schaue, differenziere ich nicht mehr. Alles ist gleich und paßt in die vorgefertigte Meinung. Man tendiert dazu, etwas zu generalisieren. Stellen Sie sich vor, sie schauen auf eine Wand und sehen, daß sie grün ist. Ein anderer kommt daher und versucht, Sie davon zu überzeugen, daß diese Wand in Wirklichkeit gelb ist. Sie würden sich wahrscheinlich nicht davon überzeugen lassen und Ihren eigenen Augen trauen. Es ist Ihre Wahrnehmung. Je mehr eine Person seiner eigenen Beobachtung mißtraut und anderen Meinungen Glauben schenkt, desto manipulierbarer ist sie. Man gibt seinen eigenen Gesichtspunkt als stabile Wahrnehmungsquelle auf. Andere sagen einem dann, was man zu denken hat. Aus einer solchen "Verwirrung" herauszukommen ist daher relativ einfach. Man etabliert sich selbst als Quelle der Wahrnehmung, indem man herausfindet, von wo man schaut. Man lokalisiert sich als Gesichtspunkt, indem man die eigenen Wahrnehmungen mit den Meinungen vergleicht, bei denen man zuvor angesiedelt war. Nun hat man wieder einen stabilen Ausgangspunkt. VerratAls nächster Schritt stellt sich natürlich die Frage: "Wie bin ich dort überhaupt gelandet?" "Wieso bin ich zum Spielball in dieser Verwirrung geworden?" Man verläßt diese Stufe automatisch, wenn die Momente oder Entscheidungen ins Blickfeld treten, daß man mit etwas "nichts mehr zu tun haben wollte". Nachdem ich wieder herausgefunden habe "wo" ich bin, stelle ich fest, daß ich einen Teil meines "Seins" negiert habe. Ich habe ein Ziel verraten. Dadurch kann ich mir selbst nicht mehr trauen und entscheide mich diesem Ziel gegenüber nicht mehr zu sein. Man landet in dem Zustand von "Verrat". Wieso Verrat? Man kann nur etwas verraten, zu dem man zuvor loyal war, sei es ein Ziel, ein Ehepartner oder eine Gruppe. Man kann nichts verraten zu dem man nie gehört hatte. Nehmen wir das Beispiel einer Ehe: Nehmen wir an, ein Partner hat "genug von der Beziehung". Er muß irgendwann die Entscheidung getroffen haben: "die oder der soll doch den Kram alleine machen - nicht mit mir - ich will damit nichts mehr zu tun haben". Es war eine Entscheidung nicht mehr zu sein. "Ich bin nicht mehr für Dich da". Diese wäre die Form eines "negativen Postulates". Ein negatives Postulat [40] ist nach Hubbard das Postulat "nicht zu sein". Es negiert vorangegangene Postulate und hebt das gesamte Individuum mehr oder weniger auf. Ein Postulat wäre beispielsweise "ich will Gärtner sein". Ein negatives Postulat wäre: "ich wollte sowieso noch nie Gärtner sein", oder "ich will kein Gärtner sein". Nach dieser Entscheidung "kein Gärtner zu sein", habe ich keinen stabilen Gesichtspunkt mehr, um auf "Gärtner" zu schauen und lebe nur noch von Meinungen über Gärtner und allem was damit zu tun hat. Ich betrachte nicht mehr über die eigenen Wahrnehmungen, sondern über die anderer. Die Vorgehensweise, um diese Stufe von Verrat zu verlassen, ist: "finde heraus, daß du bist". Man realisiert, daß man ein Sein, eine Identität in einem Spiel hat. Man findet die Momente heraus in denen man sich entschieden hatte nicht mehr zu sein. Man stelle sich nur vor, die Hypothese des "geistigen Wesens" würde stimmen. Er findet sich wieder, gefangen in einem Körper, in einem Bewußtseinszustand von "einer Lebensspanne". Wie oft muß er auf dem Weg dahin sein eigenes "Sein" verraten haben? FeindIst diese Stufe überwunden, rücken die feindlichen Aktivitäten, die man dem eigenen Ziel, dem Ehepartner oder der Gruppe, einem Volk, der Menschheit oder dem Leben an sich gegenüber vollzogen hat in das Gesichtsfeld. Deshalb ist die nächste Stufe "Feind". Ich ergründe dabei "wer ich wirklich bin", im Gegensatz zu dem wer ich vorgebe zu sein. Ich gebe vor ein Freund zu sein, arbeite in Wirklichkeit jedoch gegen diese Freundschaft, bin also in Wirklichkeit ein Feind. Der Schritt zwischen Feindschaft und Verrat ist nicht sehr groß. Die größten Feindschaften entstehen zwischen ehemaligen Freunden. Was ist Feindschaft? Es sind Taten oder Unterlassungen in Bezug auf ein Ziel. Und um in einen solchen Zustand zu kommen, muß ein Zweifel über die Richtigkeit der ursprünglichen Absichten aufgekommen sein. "War es richtig, diesen Partner zu heiraten?" "War es richtig, sich dieses Ziel zu stecken?" und so weiter. Deshalb ist der nächste Zustand "Zweifel". Es sind Zweifel, die einem vielleicht nie wirklich bewußt geworden sind, oder gegen die man nichts unternommen hat. Was will ich eigentlich? Was will der andere? Deckt sich das mit den eigenen Zielen? ZweifelHubbard beschrieb die Formel für Zweifel [41] hauptsächlich in Bezug auf ein Gruppenmitglied. Sie ist jedoch auf jeden Lebensbereich anwendbar: Informieren Sie sich ehrlich über die wirklichen Absichten und Aktivitäten der Gruppe, des Projektes oder der Organisation, indem Sie sämtliche Vorurteile oder Gerüchte beiseite lassen. Prüfen Sie die Statistiken [42] des Individuums, der Gruppe oder der Organisation. Entscheiden Sie sich aufgrund des größten Wohls für die Mehrzahl der Dynamiken ob sie attackiert, geschädigt oder unterdrückt oder unterstützt werden sollte [43] Evaluieren Sie Ihre eigenen Statistiken oder die der Gruppe, des Projektes oder der Organisation. Verbinden Sie sich mit der Gruppe, Aktivität oder Organisation, die zum größten Wohle der Mehrzahl der Dynamiken arbeitet (frei übersetzt). Tun Sie alles, um die Aktionen oder Statistiken der gewählten Gruppe zu unterstützen. Arbeiten Sie sich die "Zustände" in der gewählten Gruppe nach oben. In der Anwendung dieser Formel sollte der Betroffene realisieren, ob er in einem Spiel ist, daß er eigentlich nicht will oder ob er sich bist jetzt nur zu wenig in das Spiel eingebracht hat. Eine Entscheidung ist auf jeden Fall wichtig. Erst dann kann er ein Spiel wirklich verlassen oder bleiben. HaftbarkeitIst die Entscheidung auf dem Zustand "Zweifel" einmal getroffen, gerät man in den nächst höheren, den Hubbard mit "Liability" (frei übersetzt: Belastung oder Haftbarkeit). Wie es zu diesem Zustand kommt, wurde anfangs schon beschrieben. Es ist die Übereinstimmungen mit Gegen- und Fremdabsichten bezogen auf die eigenen Ziele oder Aktivitäten. Man kann diese Stufe als eine Art Vorstufe zu "Feindschaft" ansehen. Bei Feindschaft sind es "offene Taten", hier ist es mehr die Übereinstimmung. Die Formel, die Hubbard für diese Stufe ausgearbeitet hat lautet: Finden Sie heraus wer Ihre Freunde sind. Hier gilt es nach freundlichen und feindlichen Aktivitäten, Unterlassungen oder Einstellungen zu forschen. Wenn ich morgens immer zu spät aufwache weil mein Wecker nicht funktioniert, hilft es wenig zu sagen: "Meine Freunde sind Herbert, Anne und Klaus". Man muß ermitteln, was einen in der Aktivität "morgens rechtzeitig aufzustehen" unterstützen würde. Mit Sicherheit wäre es ein guter Wecker oder der telefonische Weckdienst. Liefern Sie einen effektiven Schlag gegen die Feinde der Gruppe, der Sie vorgegeben haben zuzugehören, ungeachtet persönlicher Gefahr. Wie könnte man das anstellen? Es geht darum seine persönliche Integrität wiederherzustellen. Nehmen wir an jemand steht morgens deshalb so spät auf, weil er abends immer eine halbe Flasche Whiskey trinkt. Er könnte das Trinken aufgeben, was ihm unter Umständen einige Schwierigkeiten bereiten würde. Der Feind wäre das Trinken. Ein effektiver Schlag wäre nicht, einen Alkoholiker zu verprügeln oder eine Schnapsbrennerei in die Luft zu sprengen (Witz). Machen Sie den Schaden durch persönlichen Beitrag, der weit über der normalen Erwartung der Gruppe liegt, wieder gut. Man muß also etwas tun, um den verursachten Schaden auszubügeln. Beantragen Sie Ihren Wiedereintritt in die Gruppe, indem Sie jedes Mitglied der Gruppe um Erlaubnis fragen. Dieser Wiedereintritt in die Gruppe wird nur bei mehrheitlicher Zustimmung gestattet. Wird sie verweigert, wiederholen Sie Schritte 2-4. Es ist also wichtig, sich das Vertrauen der Mitspieler zurückzuerobern. Ist die Person wieder in die Gruppe integriert, muß sie sich erneut über die Formel von "Nicht-Existenz" hocharbeiten. Bei genauerer Analyse der eigenen Verhaltensweisen im Umgang mit Situationen, wie sie oben beschrieben wurden, wird man feststellen, daß man Teile davon unbewußt praktiziert und eigentlich immer praktiziert hat. Wie schon erwähnt, spricht Hubbard in diesen Formeln hauptsächlich die Mitglieder und Mitarbeiter einer Scientology-Organisation an. Auch als Individuum läßt sich diese Formel sehr gut anwenden. In wieweit gerade diese Formeln in der Gesellschaft praktikabel wären, müssen andere ergründen.
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