Teil 3/4
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Die Unterwanderung

Die Unterwanderung der Scientology-Kirche, angekündigt in frühen Memoranden von FBI und FDA, beginnt Anfang der 70er Jahre Gestalt anzunehmen. Zählt man eins und eins der nachstehenden Informationen zusammen, so war die Aktion höchst erfolgreich.

Hubbard strukturierte das, was im allgemeinen als Scientology-Kirche bekannt ist, in zwei unterschiedliche Zweige. Der eine Zweig war die "Sea Org" und der andere was das "Guardian Office". Die Sea Org befaßte sich mit dem Management der Scientology-Kirchen, während das Guardian Office die Aufgabe hatte, die Scientology-Organisationen zu schützen.

Das Guardian Office

Hauptziel der Infiltration war das Guardian Office (GO). Es bestand im wesentlichen aus der

Rechtsabteilung,
der Abteilung für Public Relations (Öffentlichkeitsarbeit),
der Finanzabteilung, und aus einer
Intelligence-Abteilung, die für die Kirche geheimdienstliche Funktionen wahrnahm.

Letztere war auch unter den Namen "Info-Büro und BI (Büro I ("I" als römische Ziffer "1"))" bekannt. Dieses Büro versorgte das Management der Kirche mit Informationen über Feinde und potentielle Feinde innerhalb und außerhalb der Kirche.

An der Spitze des Guardian Office stand eine Frau namens Jane Kember als sogenannter Guardian. Die oben aufgeführten Abteilungen wurden von Deputy-Guardians geleitet.

Der Guardian unterstand allein dem "Controller", und dieser Posten wurde von Hubbard's Frau Mary Sue bekleidet.

Das Guardian Office, speziell deren Intelligence-Abteilung verstrickte sich mit der Zeit mehr und mehr in illegale Aktivitäten, obwohl Hubbard selbst eindeutige Richtlinien dagegen erlassen hatte. Auch innerhalb der Kirche wurde der Ruf des Guardian Office schlechter und schlechter.

Selbst Hubbard warnte seine Frau letztlich vor dem GO: "Sie handeln als würden sie nicht auf unserer Seite stehen". (11, S. 19)

Zunächst fällt auf, daß Personen, die offensichtlich mit Scientology nichts Gutes im Sinn hatten, von innen heraus gedeckt werden. Desweiteren finden Aktionen statt, welche die Kirche im nachhinein in höchstem Maße in Verruf bringen. Es "passieren" Dinge, die von Regierungsseite als Auslöser für eigene Aktionen genommen werden. Zunächst sind es Kleinigkeiten:

Ein Bursche namens John Cole kam eines Tages in eine Scientology-Organisation und wollte für 10.000 $ vertrauliche Materialien kaufen. Er wurde zum Guardian Office geschickt, wo jedoch nichts unternommen wurde.

Zwei Wochen später versuchte er Materialien zu stehlen. Er wurde der Polizei übergeben und eingesperrt. Bob Thomas, ein hochrangiger Mitarbeiter des Guardian Office holte ihn wieder raus (11, S. 10). Thomas wurde später als ein Agent entlarvt, der als Regierungsberater hinter den Szenarien gegen Scientology stand. (11, S. 8).

Cole verklagte die Mitarbeiter des Guardian Office Terry Milner undHenning Heldt, die ihn nach seiner Aussage in einem Kirchenbüro angegriffen haben. Er war in diesem Büro auf der Suche nach vertraulichen Informationen, für die er, so versicherte er den beiden, willens war zu zahlen.

Am 27.1.71 schrieb Cole's Rechtsanwalt der Staatsanwaltschaft in Los Angeles. Es wies darauf hin, daß die Angeklagten (Milner und Heldt) Informationen über Cole's Vergangenheit, bezüglich seiner Informantentätigkeit für verschiedene Regierungsstellen, einschließlich des Department of Justice, Senator Eastland's Komitee, FBI, CIA, C-11 und anderen, enthüllen wollen.

"Das FBI bat mich, im Hinblick auf mögliche Vorschläge, Ihr Büro zu kontaktieren, um die Beantwortung der aufgeführten Fragen in diesem Gebiet zu vermeiden. Herr Cole gibt zu bedenken, daß die Information, vom Regierungsblickpunkt aus, sehr vertraulich und deren Enthüllung nicht im Interesse der nationalen Sicherheit sei. Desweiteren würden dadurch die Leben von mindestens vier Regierungsagenten gefährdet." (10, S. 64)

Terry Milner wurde seines Postens in BI (Bureau I, Informationsabteilung des Guardian Office) enthoben, so daß das Feld für Bob Thomas frei war, um jeden, den er wollte, auf diesen Posten zu setzen. (11, S. 10)

Es wurde verschiedentlich festgestellt, daß Personen, die sich als Interessenten für Scientology-Kurse ausgaben, von bestimmten Psychiatern in die einzelnen Scientology-Organisationen geschickt wurden. Sie hatten zuvor eine psychiatrische Behandlung bekommen, eine typische Implantierung mit dem Befehl im Auditing durchzudrehen. Man mußte zu dieser Zeit sehr kritisch neuen Leuten gegenüber sein, weil man nicht wußte, ob jemand aus eigenen Stücken in die Scientology Kirche kam, oder ob sie gezielt geschickt wurden, mit dem Auftrag "durch Scientology verrückt zu werden" und somit einen großen Aufruhr zu verursachen. (11, S. 10)

Anfang 1975 erließ Jane Kember die Guardian Order 1361, welche nach einem entscheidenden Aktionsprogramm gegen den IRS verlangte. Dieses Programm beinhaltete Rechtsschritte, eine PR-Kampagne, und die Infiltration der IRS-Intelligence-Abteilung, des Special Services und des Büros des Vorstandes durch eigene Geheimagenten, deren Aufgabe es sein sollte, alle scientologybezogenen Akten zu erhalten und zu kopieren, die trotz FOIA-Anfragen zurückgehalten wurden. Die Ziele der Guardian Order 1361 waren die IRS-Büros in Washington, Los Angeles und London. (10, S. 100)

Bis ca. Mitte 1976 wurde eine große Anzahl von Akten, durch Agenten des Guardian Office, aus verschiedenen Regierungsstellen kopiert. Desweiteren wurde eine Sitzung des IRS abgehört, in der Scientology diskutiert wurde. Dh2 flog die Aktion auf. Hauptakteure dieser geheimen Aktionen waren Gerald Wolfe und Michael Meisner; letzterer war Mitarbeiter in der Intelligence-Abteilung des Guardian Office. Wolfe wurde gefaßt, Meisner tauchte eine Zeit lang unter und stellte sich am 20.6.77 den Behörden. (10, S. 100-117)

1977 April: Ein weiterer Geheimdienstinformant des FBI war Jack Graham. Er sollte herausfinden ob Kirchenmitglieder in unrechtmäßige Aktivitäten verwickelt sind. Graham bot dem FBI an, einen Freund aus dem Guardian Office mit einzubeziehen, der Dokumente besorgen könnte. Der FBI-Verbindungsmann war daran nicht interessiert, weil sie "ein ganzes Lager voll davon" haben. Anstatt dessen wollte er die Namen der Kirchenmitglieder haben, die für den Einbruch in eine Regierungsstelle verantwortlich waren, um dort Dokumente zu stehlen.

1977 20.6.: Michael Meisner, verantwortlich für die Infiltration und die Kopieraktion von Scientology-Dokumenten in verschiedenen Regierungsstellen, stellte sich in der Absicht, sich der Anklage gegen ihn zu stellen, und mit den Behörden zusammenzuarbeiten (10, S. 117/118).

Er legte ein umfassendes Geständnis ab, worauf der FBI einen Durchsuchungsbefehl, für die massivste Durchsuchung in der Geschichte des Büros, auf drei Scientology Kirchen erwirkte. (10, S. 121)

Captain Robertson:

"... Die ganze Ursache, warum Mary Sue und die "Neun" (Scientology-Führungskräfte) angeklagt wurden lag darin begründet, daß das GO in Washington eingebrochen hatte, um die Papiere über Scientology zu bekommen. ...Michael Meisner war derjenige, der den Einbruch vorgeschlagen hat. Zwei Scientologen in Washington wußten davon und hatten Beweise, daß er ein Regierungsagent war. Diese zwei Leute schrieben Berichte an Mary Sue um ihr zu sagen, daß Meisner ein Regierungsagent ist und dort entfernt werden sollte: "Er ist kein GO-Bursche. Er denkt nicht wie wir. Er handelt nicht wie wir. Er hat Verbindungen zur Regierung, er versucht die Kirche in Schwierigkeiten zu bringen usw...". Mulligan hielt diese Kommunikation von Mary Sue fern. Mary Sue bekam die Botschaft nicht."

Es gab zwei Leute, die in ihrem Controller-Committee saßen und für die Regierung arbeiteten. Dies waren James und Anne Mulligan. (11, S. 19)

1977 8.7.: Das FBI durchsucht die Scientology Kirchen in Los Angeles, Hollywood und Washington D.C.. Etwa 170 Agenten waren beteiligt. Sie brachten Brechstangen, und Vorschlaghämmer mit und benutzten sie auch. Es war die größte Razzia in der Geschichte des FBI und überhaupt in der Rechtsgeschichte Amerikas.

Der Durchsuchungsbefehl war auf 162 Beweisstücke (bis auf eines alles Dokumente) begrenzt (10, S. 129-168). Der FBI interpretierte dies jedoch nicht als eine Begrenzung. Die Razzia auf die drei Kirchen dauerte insgesamt 48 Stunden. Jedes Stück Papier wurde umgedreht, 48.149 Aktenordner, bestehend aus 100.124 Seiten wurden beschlagnahmt und abtransportiert, wovon 2/3 später als harmlos - das heißt "nicht vom Durchsuchungsbefehls gedeckt" - eingestuft wurden. (10, S. 169-175)

1978 28.3.: Basierend auf dem Meisner-Fall begann die Gerichtsverhandlung gegen 11 Kirchenmitglieder, darunter Mary Sue Hubbard. Meisner war als Kronzeuge nicht angeklagt. (10, S. 209)

Zwei weitere Angeklagte waren Jane Kember, Guardian WW und Morris Budlong, Deputy Guardian for Information. (10, S. 210)

LRH wies das Guardian Office und die Rechtsanwälte an, den 800 Millionen Dollar Prozess gegen Kissinger (siehe Seite 222) bei der Regierung einzutauschen.

Die Anweisung wurde nicht befolgt. Sie tauschten diesen Fall gegen eine harmlosere IRS-Klage aus.

Die Kommunikation zwischen Hubbard und seiner Frau war blockiert. Als er warnte, daß im GO etwas nicht in Ordnung sei, bekam sie seine Post nicht, weil sie von zwei Leuten in ihrem Controller-Committee abgefangen wurde. Es waren Jim und Anne Mulligan. Sie arbeiteten für die Regierung und befanden sich direkt zwischen ihr und Jane Kember, dem Guardian Worldwide. (11, S. 19)

Bis zum Jahr 1978 wurden vom mehr als 1000 FOIA-Anfragen gestellt und 30 Gerichtsverfahren gegen Regierungsagenturen angestrengt, welche die Herausgabe der Akten verweigerten. Etwa 100.000 Seiten Materials wurden durch Verwaltungsmaßnahmen und etwa der gleiche Umfang durch Rechtsschritte erlangt. Diese Maßnahmen enthüllten den Umfang der regierungsseitigen Verschwörung gegen die Kirche.

Die systematische Desinformation in mehr als 14 Staaten, von Australien in den 60ern bis Frankreich in den 70ern, wurde aufgedeckt. In allen Fällen, in denen die Scientology-Kirche in Übersee Schwierigkeiten mit den Regierungen hatte, wurden Dokumente gefunden, die böswillige, falsche Berichte, Gerüchte und unbewiesene Anschuldigungen von kriminellen Aktionen nachwiesen, die zuvor von amerikanischen Stellen verbreitet worden sind.

Eine sorgfältige Katalogisierung und Prüfung dieser FOIA-Dokumente zeigte folgendes auf:

302 Fälle falscher Äußerungen über die Kirche oder ihren Gründer

117 erfolgreiche und nicht erfolgreiche Versuche, durch verdeckte Operationen, Agenten in die Kirche einzuschleusen

171 Fälle, in denen Steuerbehörden aufgestachelt wurden, gegen die Kirche vorzugehen,

322 Fälle, in denen ein Vorgesetzter die Aktionen eines Untergebenen gegen die Kirche sanktioniert

32 Fälle von Diebstahl, Beschlagnahmung oder unsauberer Aneignung von Kircheneigentum.

Die Kirche strengte daraufhin einen Multi-Millionen-Dollar Schadensersatzprozess gegen fünf Regierungsstellen an, von denen Akten im Rahmen des FOIA erhalten worden waren. Separate Klagen wurden auch gegen das FBI und das U.S. State Department eingereicht. (10, S. 97)

Zwischen 78 und 80 entdeckt Captain Bill Robertson [8], daß einige Stellen innerhalb der Kirche und des Guardian Office von Spitzeln durchzogen sind. Er macht dies bei den entsprechenden Büros im Guardian Office bekannt, findet aber kein Gehör und wird als "halluzinierend" abgestempelt. Einer von ihnen war der Assistant Guardian for Information für Los Angeles, Alan Hubbert, der anschließend einen Mordversuch auf Robertson ausübte, indem er einen Reifen seines Motorrads zerschnitt. (11, S. 19)

Das Management

Ab Mitte der 70er Jahre setzte sich innerhalb des Kirchenmanagements die Praxis durch, technische und administrative Anweisungen in Hubbard's Namen herauszugeben.

Hubbard war derzeit ständig auf der Flucht, einerseits zum persönlichen Schutz, andererseits, weil er wegen der verschiedensten Vorwürfe unter Anklage stand. Durch die Geheimhaltung seines Aufenthaltsortes entstand eine Situation, in der letztlich nicht mehr unterschieden werden konnte, welche technischen und administrativen Anweisungen tatsächlich von ihm herausgegeben worden sind. Hubbard selbst veröffentlichte Bulletins, um andere, nicht von ihm herausgegebene, zu verändern oder aufzuheben. (2, S. 38)

Seit dieser Zeit hebt sich Pat Broeker mehr und mehr hervor. Er beeindruckte LRH mit seiner Fähigkeit, für Sicherheit zu sorgen. Broeker beginnt die Kommunikationslinien zwischen LRH und seiner Frau abzuschneiden, indem er die Post zensiert.

Mary Sue, die als Ergebnis der Razzia unter genauer Überwachung der Regierung stand und immer ihre Adresse bekanntgeben mußte, hatte den gemeinsamen Wohnsitz verlassen um den Aufenthaltsort von LRH zu sichern. Ihre Post wurde von den Boten abgefangen, weil man Angst hatte, sie könne zu Hubbard zurückverfolgt werden (13, S. 51).

Im September 1978 wird L. Ron Hubbard schwer krank (13).

David Mayo, von Hubbard selbst in allen technischen Fragen ausgebildet und ranghöchster Ansprechpartner für technische Angelegenheiten innerhalb der Scientology-Organisationen, gibt ihm gelegentlich Beistände. Die meisten der Techniken, die heute Teil der oberen Auditing-Stufen von Scientology sind [9], wurden in dieser Zeit entwickelt. (David Mayo in commline, Magazin der Freien Zone, Nr.7/85)

Die Krankheit von LRH wurde zum Anlaß genommen, alle schlechten Neuigkeiten von ihm fernzuhalten. Die Kommunikation zu ihm wurde noch stärker redigiert. (13, S. 51)

Zwischen 1978/79 hatte Hubbard einen Herzanfall und wurde operiert. (2, S. 37) Der Gesundheitszustand L. Ron Hubbard's verschlechterte sich. 1979 soll er sich einer Krebsoperation an der Vorderseite des Kopfes unterzogen haben. (13)

Hubbard's Frau Mary Sue gibt an, im August 1979 den letzten persönlichen Kontakt mit ihrem Mann gehabt zu haben. (aus commline, Magazin der Freien Zone, Nr.4/84, 28.12.84)

 

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